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Das Jahr 2016 kann klimatisch als Jahr der Extreme beurteilt werden. Das Jahr startete mit rekordnaher Winterwärme. Die Alpennordseite registrierte regional das niederschlagsreichste erste Halbjahr seit Messbeginn. Der Sommer kam erst im Juli, verweilte dann aber mit ungewöhnlicher Wärme bis im September. Das Jahresende war geprägt von anhaltendem Hochdruckwetter mit Rekordtrockenheit.
 
Der Winter 2015/2016 zeigte fast durchwegs einen sehr milden Verlauf, was sich in einem Temperaturüberschuss von 2,5 °C gegenüber der Norm 1981 – 2010 manifestiert. Damit war der Winter 2015/2016 der zweitmildeste je gemessene Winter. Der Frühling lieferte insgesamt verbreitet reichlich Niederschlag. Nur der März war mit Ausnahme der Alpensüdseite niederschlagsarm. Im April und vor allem im Mai fielen verbreitet überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Lokal gab es Maisummen zwischen 180 und 250 % der Norm. Der Juni war überwiegend trüb und regnerisch, geprägt durch zum Teil heftige Gewitter und kräftigen Niederschlägen, die zu lokalen Überschwemmungen und Unwetterschäden führten. Insgesamt verzeichnete das erste Halbjahr 2016 auf der Alpennordseite regional die höchsten Niederschlagssummen seit Messbeginn im Jahr 1864. Nach dem trüben Juni waren Juli und August sommerlich warm mit teilweise Rekordhitzewerte Ende August in Genf und Basel (33,5 bzw. 33,7 °C). Anhaltendes Hochdruckwetter in der ersten Monatshälfte des Septembers führte auf der Alpensüdseite, im Wallis und in der Westschweiz regional zum wärmsten September seit Messbeginn 1864. Der deutlich zu kalte Oktober beendete die ungewöhnliche Spätsommer-Wärme. Schneefälle bis in mittlere Lagen und mehrere Bodenfröste im Flachland gaben dem Monat einen frühwinterlichen Charakter. Der November brachte in der ersten Monatshälfte winterliche Kälte. Beständiges Hochdruckwetter führte auf der Alpennordseite und in den Alpen verbreitet zum niederschlagsärmsten Dezember seit Messbeginn 1864. In der westlichen Hälfte des Mittellandes und im Wallis gab es im Dezember gebietsweise gar keinen Niederschlag. Die Nordwestschweiz, die Jurahöhen sowie der Alpenraum erlebten verbreitet den sonnigsten Dezember seit Beginn der Datenreihen im Jahr 1959.

Pflanzliche Produkte 

Reiche Niederschläge, niedrige Temperaturen und geringe Sonneneinstrahlung von April bis Juni sowie viel Sonnenschein von Juli bis September prägten den Pflanzenbau 2016. Abgetrocknete Böden ermöglichten zeitige Frühjahrssaaten und -pflanzungen von Gemüse, Zuckerrüben, Getreide, Ölsaaten und Kartoffeln. Im Frühsommer verlangsamten verbreitete Staunässe und Kälte das Pflanzenwachstum. Bei Brot- und Futtergetreide fielen Erträge und Qualitäten verbreitet sehr schwach aus. Die frühsommerliche Staunässe wirkte sich auf Zuckerrüben und Kartoffeln in einer sehr niedrigen Zuckerproduktion und einer sehr tiefen Vermarktungsmenge an inländischen Kartoffeln aus. In der Grünlandbewirtschaftung machten gute Wuchsbedingungen bis im September mässige Erträge und Qualitäten bis im Juli wett.

Alles in allem kann über das Früchte- und Weinbaujahr eine positive Bilanz gezogen werden. Im Kirschen- und Aprikosenanbau verursachte die Kirschessigfliege zwar bedeutende Schäden. Im Kernobst, Zwetschgen- und Rebbau vermochten die bis im September anhaltenden sommerlichen Temperaturen die widrigen Wachstumsbedingungen vom Frühsommer weitgehend zu kompensieren. Die Fürchte reiften ab Juli unter guten Bedingungen, und der Befallsdruck durch die Kirschessigfliege hielt sich in engen Grenzen. Die Weinbereitung lag leicht über dem langjährigen Mittel.

Tierische Produkte 

Im Berichtsjahr wurde in der Schweiz 0,8 % mehr Fleisch als im Vorjahr produziert, gleichzeitig nahmen die Importe um 1,8 % ab. Somit konnte der Inlandanteil am Konsum leicht gesteigert werden und betrug 80,6 %.

Die Rindviehbestände sanken auch im Berichtsjahr weiter, was wiederum Auswirkungen auf die Inlandversorgung hatte. Insbesondere die Verarbeitungstiere waren sehr gefragt und Importe unverzichtbar. Dagegen stieg die Produktion von Bankfleisch erneut an, was auf einer weiteren Zunahme der Besamungen mit Fleischrassengenetik zurückzuführen ist. Der Inlandanteil am Konsum beträgt beim Rindfleisch rund 82 %.
Die Inlandproduktion von Schweinefleisch sank leicht um 1,1 %, dafür konnte die inländische Geflügelproduktion gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden (+4,4 %) – dies trotz grosser Preisunterschiede zu Importprodukten.
 
Der Produzentenpreis für Milch kam 2016 weiter unter Druck. Im Vergleich zum Vorjahr sank der durchschnittliche gesamtschweizerische Produzentenpreis für Milch um 2 % auf 60,64 Rappen pro Kilo. Der tiefste Preis und der stärkste Preisrückgang wurde bei der konventionellen Molkereimilch beobachtet (-4,5 % auf 54,51 Rappen pro Kilo). Die Entwicklungen am europäischen Milchmarkt schlagen sich im Schweizer Preis für den Rohstoff Milch nieder. Dies bedeutet, dass der Schweizer Produzentenpreis für Milch stark von der Preisentwicklung in der EU und auf dem Weltmarkt beeinflusst wird. Da im internationalen Kontext verstärkt mit Preisschwankungen gerechnet wird, muss auch beim Schweizer Milchpreis von einer tendenziell zunehmenden Preisvolatilität ausgegangen werden.

Marktentwicklungen 

Die Bruttowertschöpfung des Primärsektors entwickelte sich 2016 positiv (gegenüber 2015), ebenfalls leicht steigend war der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten (Quelle: BFS). Der Produzentenpreisindex für landwirtschaftliche Erzeugnisse zeigte 2016 eine sinkende Tendenz, der Index der Konsumentenpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke sank ebenfalls leicht im Vorjahresvergleich. Und wie haben sich die Preise auf verschiedenen Handelsstufen entwickelt? Antworten dazu liefern die Artikel in der Unterrubrik «Marktentwicklungen».